Die Freien Humanisten - humanistische Weltanschauungsgemeinschaft und Interessen-vertretung der kirchenfreien Bürger - haben die öffentlichen Diskussionen der vergangenen Tage mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, weil sie sich vollkommen auf den Vorwurf des Antisemitismus beschränkt haben. Hohmann hat in seiner Ansprache jedoch seinen Vorwurf gegen die Juden stark eingeschränkt, während er massive Angriffe auf religionsfreie Menschen vorträgt.
Folker Janßen (Präsident der Freien Humanisten Niedersachsen) erklärt dazu: "Die Beschimpfung und Herabsetzung der nichtreligiösen Lebensauffassung ist ungeheuerlich. Der Umgang mit der umstrittenen Festrede dieses CDU-Abgeordneten zeigt, dass es heute in Deutschland möglich geworden ist, Nichtreligiöse zu diffamieren, ohne dass dies als Diffamierung empfunden wird. Das allein ist schon ein Skandal!"
Jürgen Gerdes (Landessprecher der Freien Humanisten) fragt:
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Was haben die Parteien - insbesondere die CDU - öffentlich erklärt, um
sich vor die große Gruppe der Kirchenfreien zu stellen?
Mit welchen Worten hat Herr Hohmann sich bei dieser Bevölkerungsgruppe entschuldigt? Was haben Presse, Rundfunk und Fernsehen unternommen, um die Bevölkerung auch über diesen Aspekt der Hohmann-Rede zu informieren und ihn angemessen zu kommentieren? Was gedenken die hier Angesprochenen zu tun, nachdem ihnen bekannt gemacht wurde, dass ein weiterer Bevölkerungsteil durch Hohmann in den Schmutz gezogen wurde? |
Strafanzeige gegen Martin Hohmann (MdB) wegen
Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und
Weltanschauungsvereinigungen (§ 166 StGB)
sowie Volksverhetzung (§ 130 StGB)
Sehr geehrte Damen und Herren,
Hiermit erstattet unsere Körperschaft Strafanzeige gegen den CDU-Bundestags-abgeordneten Herrn Martin Hohmann. Die uns bekannte Adresse ist sein Wahlkreisbüro in 36119 Neuhof/Fulda, August-Rosterg-Str. 10.
Begründung:
Der Jurist und Bürgermeister a.D. Martin Hohmann hat in einer öffentlichen Veranstaltung zum deutschen Nationalfeiertag, am 3. Oktober in Neuhof eine Ansprache gehalten, die im Anschluss daran auch über das Internet öffentlich verbreitet wurde und bundesweite Verbreitung fand. In dieser Rede findet sich die folgende Redepassage (Text entnommen der Website der Neuhofer CDU, siehe Anlage 1):
"Daher sind weder die Deutschen , noch die Juden ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts. Diese gottlosen Ideologien gaben den Vollstreckern des Bösen die Rechtfertigung, ja das gute Gewissen bei ihren Verbrechen. So konnten sie sich souverän über das göttliche Gebot Du sollst nicht morden hinwegsetzen. Ein geschichtlich bisher einmaliges millionenfaches Morden war das Ergebnis. Daher, meine Damen und Herren, plädiere ich entschieden für eine Rückbesinnung auf unsere religiösen Wurzeln und Bindungen. Nur sie werden ähnliche Katastrophen verhindern, wie sie uns Gottlose bereitet haben."
Als humanistische Weltanschauungsgemeinschaft, in der sich Menschen zusammen-geschlossen haben, die ihr Leben an einer nichtreligiösen Ethik ausrichten, sehen wir in den Worten Hohmanns sowohl den Straftatbestand der Beschimpfung von Bekenntnissen erfüllt, als auch den der Volksverhetzung. Homann entwickelt als Christ eine Argumentationskette, in der er versucht, nichtreligiösen Menschen pauschal die Schuld an den entsetzlichen Taten des Nationalsozialismus und des Bolschewismus zuzuweisen. Seine (Schein?-)Argumentation gipfelt in der Aussage:
"Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihrem gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts" .
Es handelt sich um keine unbedachte Äußerung, in der sich aus Unachtsamkeit oder sprachlicher Lässigkeit ein ungewollter Bezug ergab, sondern um eine bewusste, zielgerichtete Diffamierung.
Homann benennt keine einzelnen Personen, sondern beschreibt konkret eine Bevölkerungsgruppe ( "die Gottlosen" ). Er setzt diese Bevölkerungsgruppe in anderen Teilen seiner Rede gezielt von der ab, zu der er sich selbst zählt, von den Christen. Er hebt sie auch von der der Juden ab, über die er sich in weiten Passagen seiner Rede auf das Übelste auslässt.
Hohmann unterstellt der Bevölkerungsgruppe der Nicht-Religiösen eine generelle Religionsfeindlichkeit, also ein feindseliges Verhalten gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen.
Dies alles ist eine Herabsetzung und Verächtlichmachung des nichtreligiösen Teils unserer Bevölkerung, die das Zusammenleben in unserer Gesellschaft beeinträchtigt. Die nationalsozialistische Ideologie trennte Arier von Nichtariern und versuchte das Trugbild einer höherwertigen Rasse durchzusetzen. Hohmanns Äußerungen trennen religiöse von nichtreligiösen Menschen. Er klassifiziert die Gruppe zu der er sich zählt, die christlich-religiöse, pauschal als die Höherwertige ein.
Durch diese Äußerungen wird der großen Bevölkerungsgruppe der Nichtreligiösen, den Humanisten, Atheisten oder Freidenkern, ihre Würde genommen. Sie wird darüber hinaus als Tätergruppe klassifiziert und damit für millionenfachen Tod verantwortlich gemacht.
Unser eigener Weltanschauungsverband wurde 1934 vom damaligen preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring verboten und enteignet. Die Vorfahren unserer heutigen Mitglieder und einige noch lebende Mitglieder hatten unter der nationalsozialistischen Verfolgung zu leiden. Sie heute pauschal zu den Tätern zu zählen, ist eine Ungeheuerlichkeit und Verdrehung der Tatsachen.
Eine große Anzahl nicht-religiöser Reichstagsmitglieder in der Weimarer Republik war in Weltanschauungs-verbänden organisiert und setzte sich in Reihen der SPD und auch der Kommunistischen Partei für Bürger- und Menschenrechte ein. Viele verloren ihr Leben. Das müsste Herrn Hohman, selbst Bundestagsabgeordneter, auch bekannt sein.
Der CDU-Abgeordnete Hohmann spricht in seiner öffentlichen Festrede der gesamten nichtreligiösen Bevölkerungsgruppe pauschal die Fähigkeit zu moralischem Handeln ab. Er nennt diese Menschen gottlos . Diese Gottlosen sind heute in einer Vielzahl von Verbänden organisiert, wovon die Freien Humanisten Niedersachsen einer der größeren sind. In Niedersachsen und Bremen, wo unser Verband seinen Arbeitsschwerpunkt hat, kennt man uns, weil wir uns einmischen (als Beispiel dafür siehe Anlage 2).
Unser Verband pflegt das, was wir humanistische Weltanschauung nennen - einen nichtreligiösen Weg zu verantwortungsbewusstem Handeln im persönlichen Leben und in der Gesellschaft. Und er vertritt die Interessen seiner Mitglieder und anderer Menschen, die eine ähnliche weltanschauliche Position vertreten.
Im Namen dieses Personenkreises erstatten wir diese Anzeige.
Die von uns vertretenen Menschen und ihre Lebensauffassung wurden pauschal beleidigt und gedemütigt. Hohmanns Äußerungen beinhalten eine Ehrabschneidung, Beschimpfung und auch Verleumdung des Bekenntnisses unserer Mitglieder. Denn es ist davon auszugehen, dass er sie aus politischen und religiösen Gründen machte, obwohl ihm bewusst war, dass sie jeden realen Bezug vermissen lassen. Hohmann stört unser Zusammenleben mit Menschen anderer religiöser Orientierung.
Unser Staat hat zum Schutz vor derartigen öffentlichen Anwürfen mehrere Gesetze geschaffen. Sie sollen einerseits den Beschimpften schützen und andererseits den öffentlichen Frieden innerhalb der Gesellschaft bewahren. Die Äußerungen des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann erfordern es, diese Gesetze jetzt anzuwenden.
Hochachtungsvoll
| Folker Janßen | Jürgen Gerdes | |
| (Präsident) | (Landessprecher) |
Anlagen:
- maßgebliche Textpassage aus der Hohmann-Rede
- Beispiel für die inhaltliche Arbeit unseres Verbandes
- Vollständiger Text der Hohmann-Rede
Mit einer gewissen Berechtigung könnte man im Hinblick auf die Millionen Toten dieser ersten Revolutionsphase nach der "Täterschaft" der Juden fragen. Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv.
Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als "Tätervolk" bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet.
Meine Damen und Herren, wir müssen genauer hinschauen. Die Juden, die sich dem Bolschewismus und der Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt. Sie waren nach Herkunft und Erziehung Juden, von ihrer Weltanschauung her aber meist glühende Hasser jeglicher Religion. Ähnliches galt für die Nationalsozialisten. Die meisten von ihnen entstammten einem christlichen Elternhaus. Sie hatten aber ihre Religion abgelegt und waren zu Feinden der christlichen und der jüdischen Religion geworden. Verbindendes Element des Bolschewismus und des Nationalsozialismus war also die religionsfeindliche Ausrichtung und die Gottlosigkeit. Daher sind weder "die Deutschen", noch "die Juden" ein Tätervolk.
Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts. Diese gottlosen Ideologien gaben den "Vollstreckern des Bösen" die Rechtfertigung, ja das gute Gewissen bei ihren Verbrechen. So konnten sie sich souverän über das göttliche Gebot "Du sollst nicht morden" hinwegsetzen. Ein geschichtlich bisher einmaliges millionenfaches Morden war das Ergebnis. Daher, meine Damen und Herren, plädiere ich entschieden für eine Rückbesinnung auf unsere religiösen Wurzeln und Bindungen. Nur sie werden ähnliche Katastrophen verhindern, wie sie uns Gottlose bereitet haben.
Die christliche Religion ist eine Religion des Lebens. Christus hat gesagt: "Ich will, daß sie das Leben haben und daß sie es in Fülle haben" (Joh 10, 10). Damit ist nicht nur das jenseitige, sondern ganz konkret unser reales heutiges Leben und Überleben gemeint. Deswegen ist es auch so wichtig, daß wir den Gottesbezug in die europäische Verfassung aufnehmen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben also gesehen, daß der Vorwurf an die Deutschen schlechthin, "Tätervolk" zu sein, an der Sache vorbeigeht und unberechtigt ist. Wir sollten uns in Zukunft gemeinsam gegen diesen Vorwurf wehren. Unser Leitspruch sei: Gerechtigkeit für Deutschland, Gerechtigkeit für Deutsche.
Ich komme zum Schluß und sage: Mit Gott in eine gute Zukunft für Europa!
Mit Gott in eine gute Zukunft besonders für unser deutsches Vaterland!
Die Gemeinschaft der Humanisten hat in unserer Stadt schon sehr lange einen kleinen, aber sicherlich unstrittig festen Platz im öffentlichen Leben. Seit mehr als 120 Jahren sind die Freidenker in Hannover organisiert. Gegründet in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts als Freireligiöse Gemeinde Hannover führen sie nunmehr seit 1989 den Namen "Freie Humanisten Hannover". Und sie haben in all den Jahren einen Beitrag - einen wichtigen Beitrag - geliefert zur Entwicklung einer demokratischen, einer freiheitlichen und pluralistischen Kultur in unserer Stadt. Die Freien Humansten gehören unverzichtbar zum Konzert der Stimmen, die die verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte in unserer Stadt bilden. Das ist eine gut, eine wichtige Leistung für Hannover, die ich an dieser Stelle ausdrücklich würdigen möchte.
Das eigentliche Studium des Menschen ist der Mensch erklärt Goethe in seinem Werk "Wahlverwandtschaften". Dies ist das literarische Leitmotiv, quasi die Überschrift dessen, was die Freien Humanisten beschäftigt und umtreibt. Die Fragen nach dem Menschen, nach Persönlichkeitsbildung, Lebens und Weltgestaltung. Mit der Betonung und Förderung kritischer Vernunft, der Herstellung von Gewissens- und Glaubensfreiheit und dem engagierten eintreten für Toleranz knüpfen die Freien Humanisten an die Grundpositionen der europäischen Aufklärung an und stellen die Verantwortung des einzelnen Menschen deutlich heraus. Dies gilt für die Gestaltung des eigenen Lebens, wie auch für die Gestaltung von Politik und Gesellschaft im lokalen, wie auch im globalen Rahmen. Ganz konkrete Gestaltung gewinnt diese Orientierung der Humanisten in zahlreichen Angeboten, Aktivitäten die das Verantwortungsgefühl für das eigene Handeln und für das persönliche Engagement stärken. Dabei sind die Leitmotive des Denkens und des Handelns so wichtige und unverzichtbare Werte, wie Solidarität, Menschenwürde, Achtung und Toleranz. Man kann das mit den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität umschreiben.