Marburg, 05.10.2003

Kein Kopftuch, kein Kreuz!

HU Hessen fordert Gleichbehandlung

Nachdem die hessische Landesregierung sich für ein Verbot des Kopftuchs in staatlichen Schulen entschieden hat, erwartet die Humanistische Union (HU) nun auch ein Verbot der religiösen Symbole anderer Glaubensgemeinschaften. In der Verpflichtung des Staates zu weltanschaulicher Neutralität sieht Franz-Josef Hanke zugleich den Auftrag absoluter Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften. Das erklärte der Landessprecher der HU Hessen am Sonntag (5. Oktober) in Marburg.

Wenn Beamtinnen das Kopftuchtragen untersagt wird, dann muss das Land konsequenterweise Priestern auch das Tragen einer Sultane an staatlichen Schulen verbieten. Ebenso folgerichtig wäre dann auch eine Verfügung, die Beamtinnen und Beamten während ihres Dienstes das Tragen eines Kreuzes untersagt.

"Es kann nicht angehen, dass Musliminnen kein Kopftuch tragen dürfen, Christen aber mit einem großen Kreuz in der Schule herumlaufen", betonte Hanke. Sowohl der Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes wie auch das dem Staat von der Verfassung auferlegte Neutralitätsgebot zwingen das Land zu konsequenten Regeln ohne Ansehen der jeweiligen Religion.

"Das Dilemma hat das Bundesverfassungsgericht mit seinem feigen Kopftuch-Urteil leider selbst verursacht", beklagte Hanke. "Nun wird es über jedes religiöse Symbol und jede einzelne Landes-Regelung erneut entscheiden müssen."

Zudem hätten Deutschlands höchste Richter nicht hinreichend berücksichtigt, dass Kopftücher nicht zwangsläufig als religiöses Symbol gelten müssen: "Auch Christinnen oder Atheistinnen tragen Kopftücher, wenn ihnen kalt ist oder sie ihre Gesundheit schützen müssen."

Die hessische Landesregierung forderte der HU-Landessprecher auf, eine maßvolle Regelung zu erlassen, die allerdings jede religiöse Indoktrination an staatlichen Schulen und Hochschulen unterbindet.

"Das Konfliktpotential enthält nicht in erster Linie die Kleidung von Beamtinnen und Beamten, sondern ihr uneingeschränkter Respekt gegenüber jedem Menschen ohne Ansehen seiner Person, Herkunft oder Religion", betonte Hanke abschließend. "Niemdand darf sich beim Umgang mit Behörden wegen seiner Religion zurückgesetzt fühlen. Missionierung - gleich welcher Richtung - darf es an keiner staatlichen Institution geben!"

Franz-Josef Hanke
(HU-Landessprecher)

Humanistische Union Hessen