Freireligiöse gegen Sozialabbau
Präsidium der FLH, Beschluss vom 11.2.2004:

„Wir" leben über unsere Verhältnisse, so hören wir von allen Seiten, das Sozialsystem ist unbezahlbar. Die „Reformen", die als Konsequenz entwickelt wurden, haben für die meisten Bürgerinnen und Bürger drastische Folgen:

  • Die Leistungen der Krankenversicherung werden reduziert, aber die Beiträge sinken nicht..
  • Die Rentner erhalten geringere Zahlungen und müssen zusätzliche Beiträge und Steuern entrichten.
  • Arbeitslose erhalten geringere Leistungen, um einen Anreiz zur Arbeitsaufnahme zu schaffen, aber die Arbeitsplätze gibt es nicht.
  • Die Unterstützung Hilfsbedürftiger wird drastisch reduziert.
  • Die Arbeitszeit der Beschäftigten wurde verlängert (Lebensarbeitszeit) und soll noch weiter erhöht werden (Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich).
  • Nicht alle Jugendliche erhalten einen Ausbildungsplatz, viele danach keine feste Anstellung.

Gleichzeitig ist Deutschland Weltmeister beim Export, obwohl die Kosten für die Arbeit hier angeblich so hoch sind, und der starke Euro zudem den Export erschwert. Die Manager großer Unternehmen und Banken sorgen in erster Linie für das Wohl der Aktionäre - und ihr eigenes. Abbau von Arbeitsplätzen gilt dabei als Erfolg.

Manager sorgen für das Wohl der Aktionäre
Die Entfaltung der Technik hat dazu geführt, dass immer weniger Menschen ungeheure Mengen an Gütern produzieren können. Wenige Arbeiter an einer leistungsfähigen Maschine stellen mehr Produkte in der gleichen Zeit her, als vor wenigen Jahren noch eine erheblich größere Zahl von Menschen. Eine Situation ist bei uns entstanden, bei der auf der einen Seite viele Menschen ohne Arbeit sind und auf der anderen die, die Arbeit haben, noch länger und intensiver arbeiten müssen. Die - noch - Beschäftigten werden gegen die Arbeitslosen und Rentner ausgespielt, die Jungen gegen die Alten. Die Durchsetzung egoistischer Interessen soll die Solidarität als Wert ablösen. Der Reichtum der Gesellschaft ist angewachsen, die Verteilung des Reichtums hat sich aber zugunsten der ohnehin schon Reichen verschoben. Das ist das Gegenteil von Solidarität.

Solidarität - nicht mehr gefragt?
In den Medien wird in immer neuen Varianten der Eindruck erweckt, der Staat sauge die Bürgerinnen und Bürger in immer brutalerer Weise geradezu aus, nehme ihnen das letzte Hemd. Angeblich leben der Staat oder sogar „wir" über unsere Verhältnisse, die Ausgaben stiegen immer mehr, so gehe es nicht weiter.
Dabei wird systematisch eine entscheidende Tatsache totgeschwiegen: Das Problem besteht nicht darin, dass der Staat immer mehr ausgibt und „uns allen" zu viel Geld abnimmt, sondern dass sehr zahlungsfähige Gruppen viel zu wenig oder gar nichts mehr zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen.
Die Steuereinbrüche sind nicht durch einen Zusammenbruch der ökonomischen Leistungsfähigkeit der Unternehmen zu erklären, sondern durch die verstärkte Umgehung und die Senkung der Unternehmenssteuern. Das Problem besteht darin, dass die in den Steuerbilanzen letztlich ausgewiesenen Gewinne die reale ökonomische und damit steuerliche Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft nur zu einem immer kleineren Teil und verzerrt wiedergeben.

Die neoliberale Religion
Dieser Politik lag die grundlegend falsche These zugrunde, die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft sei durch zu geringe Gewinne und zu hohe Steuer- und Abgabenbelastungen in Deutschland bedingt. Dieser neoliberale Glaubenssatz wird seit Jahren von den Unternehmensverbänden und der herrschenden Lehre der Wirtschaftswissenschaft wiederholt und ist auch von der rot-grünen Koalition aufgegriffen worden.

Alles wird zur Ware
Die Entfesselung des Marktes, seine Durchdringung aller Bereiche gesellschaftlichen Lebens führt zur Umwandlung menschlicher Beziehungen in Dienstleistungen. Nahezu alle Lebensgrundlagen - außer Luft und Sonnenlicht - wurden in handelbare Warenform zur Mehrung privaten Reichtums umgewandelt.
Diesem Prinzip werden alle Entscheidungen untergeordnet.
Relativer Wohlstand und soziale Sicherheit für breite Bevölkerungsschichten in den westlichen Industrieländern konnten für Jahrzehnte erreicht werden, indem der ungezügelte Wirtschaftsliberalismus in sozialen Schranken gehalten wurde.

Sozialstaat am Ende?
Der Sozialstaat, der sich in Westeuropa entwickelt hat, beruht auf der Übereinkunft,

  • dass „das Eigentum verpflichtet" - nämlich zum Wohl aller beizutragen,
    dass die Verteilung des Reichtums Gegenstand von Verhandlungen ist,
    dass die Gewerkschaften als Verhandlungspartner akzeptiert werden,
    dass wirtschaftliche Macht begrenzt wird,
    dass es eine soziale Absicherung im Falle von Krankheit, Alter, Arbeitslosigkeit gibt,
    dass Ausbildung und Weiterbildung für alle für einen gehobenen Bildungsstand und qualifizierte Arbeitskräfte sorgen.

All diese Einrichtungen beruhen auf dem Prinzip der Solidarität in der Gesellschaft, dass der Starke eine größere Last auf seinen Schultern trägt als der Schwache. Umgekehrt hat der wirtschaftlich Starke seinen Vorteil darin, dass der soziale Ausgleich die Unterschiede nicht so krass werden lässt, dass ein gewaltsamer Umsturz befürchtet werden muss; die Reaktionen der von ihm Abhängigen bleiben berechenbar.

Dagegen ist die gängige Wirtschaftspolitik heute bei uns der Neoliberalismus - der uneingeschränkte, fast religiös erscheinende Glaube an die Allmacht des Marktes, alles zum Besten zu regulieren, und sei es auf Kosten der Menschen.
Soziale Gerechtigkeit als Basis des Humanismus
Die Werte, die unsere freireligiöse Gemeinschaft anstrebt: Freiheit, Toleranz und Humanität, können nur auf der Basis sozialer Gerechtigkeit Bestand haben. Eine gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung, die auf das Gegenteil davon hinausläuft, muss auf unseren entschiedenen Widerspruch stoßen.

Kinder, Reli-Schüler, Jugendliche

  • Religionsunterricht ab 5. Klasse (Blockseminar):
    4. bis 6. Juni 2004 Bad Homburg.
    Fahrt nach Mannheim in den Luisenpark
    mit Sonnwendfeier: Sa. 19. Juni 2004

VERMISCHTES...

  • Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 1. April 2004
  • Geschäftsstelle wegen Urlaub geschlossen: 5. - 18. April 2004. In dringenden Fällen wie bei Bestattungen bitte 06103-52619 (Dr. Behr) anrufen.
  • Unser Wohlfahrtsverband weist auf einen 3-teiligen Workshop in Offenbach hin mit dem Thema „Ehrenamtskultur beleben in Vereinen, Gemeinden und Initiativen". Termine: 11. März (Die eigene Einrichtung in den Blick nehmen), 18. März (Neue Freiwillige gewinnen), 25. März (Gute Zusammenarbeit strukturieren), jeweils von 17.30 bis 19.45 Uhr. Infos und Anmeldungen in unserem Büro unter 06102-39567.
  • Beiträge und Spenden an unsere Gemeinschaft sind steuerlich abzugsfähig. Im allgemeinen wird der Bankbeleg vom Finanzamt anerkannt. Sollten Sie eine Beitrags/Spendenbescheinigung benötigen, so fordern Sie diese bei uns, bzw. Ihrer Gemeinde an.
  • Der Landestag der FLH ist für Sonntag, den 19.September geplant.

Denn sie wissen nicht, was sie glauben
Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann
Am 27.April wird der Religionskritiker Franz Buggle aufeiner Veranstaltung in Wiesbaden aus seinem Buch Denn sie wissen nicht, was sie glauben, lesen und seine Thesen zur Diskussion stellen. Seine Brisanz gewinnt das Buch, indem der Autor aufzeigt, dass der ethische und humanitäre Standard des biblischen Gottes hinter dem seiner allermeisten heutigen Anhänger und Verehrer weit zurückbleibt. Diese provozierende Einschätzung belegt der Entwicklungspsychologe anhand zahlreicher Bibelstellen. Den Bemühungen bekannter christlicher Theologen und Wissenschaftler, die Bibel als Fundament einer menschenfreundlichen Ethik zu retten, weist er intellektuelle Inkonsequenz nach.
Die Entwicklungen seit dem ersten Erscheinen des Buches haben dessen Diagnose und Prognose tendenziell bestätigt: In den traditionellen Religionen schlummert ein beträchtliches Gewaltpotential, das in einer entsprechenden gesellschaftlichen oder politischen Situation schnell aktualisiert und wirksam werden kann.
Buggles Thesen brechen mit der fast selbstverständlich akzeptierten Prämisse heutiger Kirchen- und Christentumskritik, dass zwar die Kirche kritikwürdig sei, die Bibel aber als ethisches Fundament unverzichtbar sei und der biblische Gott hingegen weiterhin zur Orientierung dienen könne. Er zeigt, dass der humanitäre Standard des biblischen Gottes hinter dem seiner allermeisten heutigen Anhänger weit zurückbleibt. Seine Diagnose, dass die Bibel als unabdingbare Basis aller christlichen Religiosität gravierende ethisch-humanitäre und psychologische Defizite aufweist, belegt der Autor anhand zahlreicher Stellen. Da seine provozierend deutlichen Positionenbietet sie eine vorzügliche Grundlage für eine kontroverse Diskussion im Anschluss an die Lesung. Hans-Martin Heinemann (Dekan der Evangelischen Kirche Wiesbaden) hat seine Beteiligung zugesagt.
Buchempfehlung zur Veranstaltung am 27.April in Wiesbaden:

Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben
Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann

ca. 450 Seiten, kartoniert, ca. Euro 25.-
Alibri Verlag
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Fon / Fax (06021) 581 734
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